This entry was posted on Dienstag, Juni 3rd, 2008 at 14:06 and is filed under Geschichten. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.
Warum heißen die Flip-Flops Flip-Flops? Na weil sie beim Gehen immer flipp-flopp, flipp-flopp machen …
Okay, ich gebe zu, ein schlechter Scherz, obwohl es ein wahrer ist. Jedenfalls sind Flip-Flops absolut das Lässigste, was man sich im Sommer an Sandalen oder Sandaletten antun kann; nur barfuß zu gehen ist noch lässiger. Beim barfuß Gehen bekommt man allerdings immer so schmutzige Fußsohlen … Deshalb ziehe ich persönlich die Flip-Flops dem barfuß Gehen immer vor.
Die Flip-Flops sind nämlich nicht nur lässig und leger, die fühlen sich auch absolut geil an an den Füßen. Man fühlt sich so wunderbar frei und beschwingt, und man geht wie auf Wolken, denn viele Flip-Flops sind ja aus irgendeiner Art Schaumgummi. Ein angenehmeres Gehen kann man sich nicht vorstellen.
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich selbst im Büro manchmal Flip-Flops trage. Weil sie einfach so toll zu tragen und so total herrlich bequem sind. Obwohl ich mir das als Abteilungsleiterin eigentlich nicht erlauben kann; da muss ich ja schließlich einen seriösen Eindruck machen, und zum strengen Business Kostüm passen Flip-Flops nun eigentlich wirklich nicht.
Deshalb wage ich das meistens auch nur, wenn ich entweder Überstunden mache und sonst keiner in der Abteilung ist, oder wenn ich zumindest sicher sein kann, dass ich es höchstens mit anderen Mitarbeitern zu tun bekomme, aber nicht mit Kunden oder meinen Vorgesetzten aus der Geschäftsleitung.
Das hat bisher auch immer geklappt. Bloß, der Mensch denkt, und irgendein höheres Wesen lenkt … Manchmal sogar die Fußbekleidung, die Schuhe.
An einem wunderschönen, heißen Tag im letzten Sommer haben wir in der Firma wieder einmal alle über die Hitze gestöhnt, aber keiner hat es gewagt, deshalb die strenge Kleiderordnung zu missachten, die in unserer Firma herrscht; auf Anordnung der Geschäftsleitung.
Die besteht aus drei recht strengen, reifen Herren, die in ihren Räumen keine nackten Beine, keine Miniröcke, keine legeren Jeans und ähnliche “modische Ausreißer” sehen wollen, wie sie es nennen.
Bloß ich hatte irgendwann einfach genug. Ich behielt zwar mein Sommerkostüm mit der ärmellosen Bluse an, aber ich schlüpfte aus meinen hochhackigen Pumps, schälte mir die Nylons von den Beinen, die in der Hitze vom Schweiß geradezu daran klebten, und steckte meine Füße unter meinem zum Glück nach vorne hin geschlossenen Schreibtisch in eine Schale mit Eiswasser. Mann, tat das gut! Besser als so ein Eiswasserbad im Sommer ist wirklich nur noch eine Fußmassage.
Als ich mir kurz darauf einen Kaffee machen ging, holte ich mir aus meiner großen Tasche die Flip-Flops, die ich immer dabei habe. Und spätestens vor der Tür, nach Verlassen des Bürogebäudes, anziehe, wenn ich mein Jackett ausziehe und den Feierabend erheblich luftiger beginne.
Als ich zurück war und meine nackten Füße gerade wieder in die Schale tauchen wollten, klingelte es auf der internen Leitung. Einer der Geschäftsführer war dran und verlangte umgehend einen bestimmten Bericht von mir. Ich sollte ihm den innerhalb einer halben Stunde persönlich vorbeibringen.
Ich machte hastig den Bericht fertig, streifte – voller Bedauern natürlich – meine Nylons wieder über die nackten Füße und Beine, steckte die Füße in die Pumps und wollte losmarschieren.
Schon nach einem Schritt in Richtung Tür knickte ich um; an meinen Pumps war ein Absatz abgebrochen. Und zwar so gründlich, dass da wirklich nur noch ein Schuhmacher helfen konnte; was in der kurzen Zeit, bis ich in der oberen Etage auftauchen musste, unmöglich zu machen war.
Da hatte ich jetzt nur die Wahl, entweder in Nylonstrümpfen ohne Schuhe nach oben zu gehen – oder aber in Flip-Flops. Ich entschied mich für letzteres, wofür ich die Nylons wieder auszog.
Mir war ja nun doch ziemlich mulmig zumute, als ich mit nackten Beinen und den flappenden Flip-Flops die Treppe hochging und den Flur entlang, aber es half ja nun alles nichts. Vielleicht konnte ich meinen Bericht ja nur schnell bei der Sekretärin abgeben und wieder verschwinden, bevor jemand meine Flip-Flops bemerkte.
Ich gab mir auch ganz besondere Mühe, die Flip-Flops mit den nackten Zehen festzuhalten, damit sie möglichst wenig Geräusche machten. Ich krallte mich mit den Zehen richtig hinein in den Schaumstoff der Flip-Flops; und so schaffte ich es tatsächlich, zwar ohne das typische Klacken der hochhackigen Pumps, aber auch ohne das lässige “Swischen” der Flip-Flops im Vorzimmer aufzutauchen.
Rasch legte ich den Bericht auf den Tisch und wollte gerade wieder verschwinden, da sagte die Sekretärin zu mir: “Der Herr Schwerter möchte Sie noch sehen.”
So ein Mist!
Ich holte tief Atem, ging zur Tür ins Allerheiligste, klopfte und wurde hereingebeten. Schwerter, der gerade ein Telefonat beendete, als ich hereinkam, und mir nur per Kopfnicken einen Platz zuwies, war ausgesprochen freundlich; bis sein Blick auf einmal auf meine Flip-Flops fiel, die ich ja nun doch nur höchst unvollkommen unter dem Besucherstuhl verstecken konnte.
Er stockte mitten im Satz, stand auf, ging um den Schreibtisch herum, stellte sich vor mich und besah sich die Flip-Flop-Bescherung.
Ich rechnete mit dem Schlimmsten, aber er fing auf einmal an zu lachen. “Wissen Sie, Frau Kaiser”, bemerkte er, und er klang richtig verträumt und sehnsüchtig dabei, “ich mag das, wenn die Frauen Flip-Flops tragen. Das hat mir schon immer gefallen. Behalten sie die ruhig an – die stehen Ihnen gut. Sie sind so – nun ja, sexy, sagt man ja wohl, oder?”
Ich war sprachlos. Und musste, das muss ich gestehen, auch ein wenig in mich hineingrinsen. Seitdem darf ich in der Firma offiziell Flip-Flops tragen.
